Bauabzugsteuer

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Vom BAUGEWERBE gefordert, nun umgesetzt als "Gesetz zur Eindämmung illegaler Betätigung im Baugewerbe" oder auch die BAUABZUGSSTEUER genannt.  Was herausgekommen ist: Steuerabzug bei Bauleistungen (§§ 48 ff. EStG)

Erbringt jemand (Leistender) eine Bauleistung an einen Unternehmer im Sinne des § 2 UStG (Leistungsempfänger), ist der Leistungsempfänger verpflichtet von der Gegenleistung einen Steuerabzug von 15 % vorzunehmen.(§ 48 EStG)
I.) LEISTENDER
Leistender ist z.B. jeder Unternehmer in der Baubranche (aber keine Architekten/Ingenieure)
Bauleistungen sind alle Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen. Als Leistender gilt auch derjnige, der über eine Leistung abrechnet, ohne sie erbracht zu haben.

Gegenleistung ist das Entgelt zuzüglich MWSt (= Bruttorechnungsbetrag).
II.) LEISTUNGSEMPFÄNGER

Wer kann Unternehmer (Leistungsempfänger) sein ? - Gewerbetreibende, Freiberufler, Vermieter von Wohnungen, Garagen etc.
III.) FREISTELLUNGSBESCHEINIGUNG
Auf Antrag des Leistenden hat das für ihn zuständige Finanzamt, wenn der zu sichernde Steueranspruch nicht gefährdet erscheint und ein inländischer Empfangsbevollmächtigter bestellt ist, eine Bescheinigung nach amtlichem Muster zu erteilen, die den Leistungsempfänger von der Pflicht zum Steuerabzug befreit. Diese Bescheinigung soll drei Jahre gültig sein. Das Original soll vervielfältigt werden können, wenn nicht größere Projekte oder Leistungsempfänger anderes wünschen. Sie können die Freistellungsbescheinigungen auch im Internet bestätigen lassen. Hier ist der Link
IV.) AUSNAHMEN
Der Steuerabzug muss nicht vorgenommen werden, wenn der Leistende dem Leistungsempfänger eine im Zeitpunkt der Zahlung gültige Freistellungsbescheinigung nach § 48b Abs. 1 Satz 1 vorlegt, oder die Gegenleistung im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich den Betrag von 15.000 EUR bei ausschließlichen Vermietungsumsätzen bzw. 5.000 EUR in allen übrigen Fällen nicht übersteigt. Neu eingefügt durch das "Steueränderungsgesetz 2001" wurde § 48 Abs. 1 Satz 2 EStG. Danach werden Vermieter, die nicht mehr als zwei Wohnungen vermieten, von der Verpflichtung zum 15%igen Steuerabzug ausgenommen. Dies gilt nach einer Verfügung der OFD Erfurt (S 1900 A-31-St 321) auch für Freiberufler oder Gewerbetreibenden mit anderen umsatzsteuerlichen Beträtigungen.

 

V.) VERFAHREN
Der Leistungsempfänger hat bis zum 10. Tag des Monats, der auf die Zahlung der Rechnung folgt, eine Anmeldung nach amtlichem Vordruck abzugeben und den ermittelten Abzugsbetrag an das zuständige Finanzamt des Leistenden abzuführen.
Sodann hat der Leistungsempfänger dem Leistenden eine Bescheinigung auszustellen, die den Namen, Anschrift des Leistenden, Rechnungsbetrag, Rechnungsdatum und Zahlungstag, Höhe des Steuerabzugs und Finanzamt bei dem der Abzugsbetag angemeldet wurde, anzugeben.
Hat der Leistende weder einen Wohnsitz, Sitz, Geschäftsleitung oder gewöhnliche Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland, so ist eines der folgenden Finanzämter zuständig: Klick hier

VI.) HAFTUNG
Der Leistungsempfänger haftet für einen nicht oder zu niedrig abgeführten Abzugsbetrag .
VII.) Was passiert mit dem Steuerabzugsbetrag ?
Wenn der Abzugsbetrag einbehalten und angemeldet worden ist, wird er auf die vom Leistenden zu entrichtende Steuern nacheinander wie folgt angerechnet:
1. die nach § 41a Abs. 1 einbehaltene und angemeldete LOHNSTEUER
2. die Vorauszahlungen auf die EINKOMMEN- oder KÖRPERSCHAFTSTEUER.
3. die EINKOMMEN- oder KÖRPERSCHAFTSTEUER des Veranlagungszeitraumes, in dem die Leistung erbracht wurde.
ACHTUNG: Haben Sie mindestens einen Arbeitnehmer, können Sie den vollen Abzugsbetrag bei der Lohnsteuer abziehen, auch wenn es zu einer Erstattung führt -siehe 1.)-.
Haben Sie keinen Arbeitnehmer, darf der Abzugsbetrag höchstens in Höhe der Vorauszahlungen angerechnet werden.

 

Achtung ! Die Bauabzugsteuer ist nicht zu verwechseln mit der umsatzsteuerlichen Steuerschuldumkehr bei Bauleistungen

 

Beispiel für die Bauabzugsteuer für Vermieter und Unternehmer

Oma Müller hat ein 12-Familien-Mietwohnhaus. Das Dach muß erneuert werden, die Fassade gestrichen und diverse Renovierungsarbeiten sind durchzuführen. Oma Müller ist nach § 2 UStG durch die Vermietung "Unternehmerin". Wenn Sie nun im Jahr 2006 die Rechnungen der Handwerker bekommt, muss Sie jede einzelne Leistung auf die o.g. Vorschriften hin prüfen und sich von allen Handwerkern Freistellungsbescheinigungen geben lassen.
Sollte eine fehlen, vielleicht weil der Dachdecker oder ein Handwerker seine Umsatzsteuer vor Jahren einmal nicht pünktlich bezahlt hat und deswegen keine Freistellungsbescheinigung ausgehändigt bekommt, muß Oma Müller den Rechnungsbetrag um 15 % kürzen, sich schnell ein Meldeformular bei ihrem Finanzamt holen, das Finanzamt und die St.-Nr. des Handwerkers erforschen und die Meldung mit dem Geld auf ein, Ihr noch unbekannte Konto des Finanzamtes xxx des Handwerkers bis zum 10. des nächsten Monats schicken.
Diese Prozedur muss sie für jede Bauleistung über 15.000 Euro/Jahr, für die Sie keine Freistellungsbescheinigung erhalten konnte, durchführen. Die zuständigen Finanzämter der Handwerker soll sie nach dem neuen § 1 UStZustVo (Umsatzsteuerzustellungsverordnung) ermitteln können.
Dann muss sie hergehen und ein zweites Formular als Abrechnungsbescheinigung für die Handwerker ausfüllen, damit diese die Lohnsteuer in ihrer nächsten Lohnsteueranmeldung kürzen können.

 

Hier lesen Sie die umsatzsteuerliche Regelung des § 13b Abs, 1 Nr. 4 UStG: Die Umkehr der Umsatzsteuerschuld bei Bauleistungen:

Unternehmen, die selbst auch Bauleistungen erbringen (Generalbauunternehmen) und Bauaufträge an Subunternehmen vergeben, müssen die Umsatzsteuer auf die Leistungen ihrer Subunternehmer selbst an die Finanzverwaltung abführen. Sie werden also zum Schuldner der Umsatzsteuer.
Subunternehmer stellen für die erbrachten Leistungen die Rechnung netto ohne MWSt aus und führen entsprechend auch keine Umsatzsteuer an das Finanzamt ab. In seiner Rechnung muss der Subunternehmer den Auftraggeber ausdrücklich auf seine Steuerschuld hinweisen. Etwa so: "Die Rechnung ist gemäß § 13b UStG netto. Wir weisen darauf hin, dass der Aruftraggeber zur Anmeldung und Abführung der Umsatzsteuer verpflichtet ist". Die Vorsteuer aus Materialeinkäufen etc. kann vom Subunternehmer weiterhin mit der regelmäßigen Umsatzsteuervoranmeldung geltend gemacht werden.

Anders als bei der Bauabzugsteuer gibt es hier kein Freistellungsverfahren.


Bauauftraggeber, die selber Bauunternehmer sind, berechnen die Umsatzsteuer auf die Netto-Rechnung ihrer Subunternehmer und melden diese in ihrer Umsatzsteuervoranmeldung in einer gesonderten Spalte als MWSt und Vorsteuer gleichzeitig an.
Bauauftraggeber, der selber kein bauleistender Unternehmer ist (z.B. ein Handelsunternehmer) fällt zwar nicht unter den § 13b Abs. 1 Nr. 4 UStG, darf aber gleichwohl die Rechnung des Bauunternehmens nur netto bezahlten und muss ebenfalls die Umsatzsteuer w.o. anmelden, da er Unternehmer ist.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 13. März 2013 09:49