Private Altersversorgung

 Die private Altersvorsorge wird durch ein Schreiben des Bundesministeriums für Finanzen (BMF) vom 30.01.2008 umfangreich erläutert.

Wir teilen die Altersversorgung in folgende drei Bereiche auf (sogenanntes Drei-Schichten-Modell):

 

Basisversorgung

- gesetzliche Rentenversicherung, - berufsständische Versorgungseirichtungen die der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbare Leistungen erbringt, - landwirtschaftliche Alterskassen und - ab 1.1.2005 neu abgeschlossene private kapitalgedeckte Altersvorsorgeprodukte und Rentenversicherungen ("Rürup"-Rente)

letztgenannte Produkte müssen: - monatliche Beiträge für eine Leibrente mit Beginn ab dem 60. Lebensjahr vorsehen und, - deren Ansprüche dürfen nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar sein.
ergänzende Absicherungen für eine Berufsunfähigkeitsrente, Erwerbsminderungsrente und/oder Hinterbliebenenrente an den Ehegatten oder Kinder ist möglich.

Zusatzversorgung

- betriebliche Altersversorgung,  "Riester"-Rente,   (LINK zur Seite: Betriebliche Altersversorgung)

 

Kapitalanlageprodukte

- Fondssparpläne, - Banksparpläne, - Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht, - Kapitallebensversicherungen

 

 

Grund für diese Unterteilung ist eine unterschiedliche steuerliche Behandlung in der Anspar- und Auszahlungsphase. Das Einkommensteuergesetz sieht über einen Zeitraum von 35 Jahren den Übergang zu einer vollständigen nachgelagerten Besteuerung der Renten vor (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe aa EStG). Auf die Laufzeit der Rente kommt es bei den Leistungen aus der Basisversorgung nicht an.  Alle Leistungen sind ab 2005 mit 50% und in den Folgejahren mit jährlich, um 2% steigenden Sätzen, zu versteuern. Also 2006=52%, 2007=54%, 2008=56% usw. bis 2040=100%.

Aus der Gruppe Basisversorgung beträgt der Höchstbetrag 20.000 € (Ledige) bzw. 40.000 € (Eheleute). Allerdings sind von den tatsächlich gezahlten Beiträgen -bis zum Höchstbetrag- nur 64% (für 2007) wegen der pauschalen Kürzung der Vorsorgeaufwendungen abzugsfähig. Der Prozentsatz steigt jährlich um 2%, also für 2008 = 66%. Der Höchstbetrag wird immer dann gekürzt, wenn der Steuerpflichtige zum Personenkreis des § 10c Abs. 3 Nr. 1 oder 2 EStG gehört -also Arbeitnehmer, Beamter, Richter, Soldat oder Amtsträger etc.-. Die Kürzung ist mit 19,9% von 54.000 € (für 2008, oder 54.600 € für 2007) = 10.746 € vorzunehmen.

 

Beispiel:

Was bedeutet das in der Praxis ab 2008 für beispielsweise einen ledigen Alleingesellschafter-Geschäftsführer, dessen GmbH für ihn Beiträge an eine Direktversicherung über jährlich 1.752 € (pauschalbesteuerter Höchstbetrag) entrichtet. Außerdem bezahlt die GmbH für alle Arbeitnehmer -also auch für ihn- Beiträge an eine Pensionskasse, die nach § 3 Nr. 63 EStG steuerfrei sind. Der Alleingesellschafter-Geschäftsführer bezieht eine angemessene Vergütung i.H.v. 100.000 €. Privat hat er im Jahr 2007 einen "Rürup-Rentenversicherungsvertrag" (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe b EStG) abgeschlossen und dort Beiträge i.H.v. 10.000 € eingezahlt.

Aufgrund der Gesetzesänderung für 2008 kommt es ab diesem Jahr zu einer Kürzung des Höchstbetrages, da der Gesellschafter-Geschäftsführer Anwartschaftsrechte auf eine Altersversorgung erworben hat. (Bis 2007 war Voraussetzung, dass er einen Anspruch auf Altersversorgung ganz oder teilweise ohne eigene Beitragsleistungen erworben haben musste. Diese Teil des Gesetzestextes wurde gestrichen).

Berechnung: Höchstbetrag 20.000 € abzüglich fiktiver Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung (19,9% von 54.000 € Höchstbetrag Bemessungsgrundlage OSt für Rentenversicherung -da Lohn mit 100.000 € höher ist-) = 10.746 € = gekürzter Höchstbetrag 9.254 €. Da der Leibrentenbeitrag (Rürup) 10.000 € betrug, wird mit dem niedrigeren der beiden Beträge weitergerechnet. Also 9.254 € x 66 % abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen = 6.108 €.  ERGEBNIS:  Aus den Leibrentenbeiträgen i.H.v. 10.000 € können steuerlich 6.108 € geltend gemacht werden.

Steuerlich optimiert wäre es gewesen, wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer nur 9.254 € -statt 10.000 €- an Leibrenten gezahlt hätte. Dieser Betrag hätte steuerlich voll ausgereicht. Würde der Geschäftsführer nur alleine die Altersversorgung über die von der GmbH gezahlten Beiträge an die Direktversicherung erhalten, wäre der Fall so zu lösen: durch 1.752 € Zahlung der GmbH gehen beim Geschäftsführer Vorsorgekürzungen in Höhe von 10.746 € einher. Er bezahlt wesentlich mehr Steuern, als die GmbH für ihn einzahlt. Diese Situation führt bei guter Steuerberatung zu einer unverzüglichen Vertragskündigung oder Änderung in einen normalen LV-Vertrag.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 30. August 2013 23:31